28.02.2012 |

Eine bruchstückhafte Chronologie eines Freitagabends auf einer Record-Release-Party

Zoe.Leela Record Release Party

Was ist eigentlich die digitale Schuld? Die Record-Record-Party zum gleichnamigen Album (Digital Guilt) in einem Kellergewölbe abzuhalten, wo kein Funkempfang herrscht, so dass die neuen digitalen Medien und sozialen Netzwerke zwangsweise offline sind? Aber das Schöne ist, es gibt sie noch, die coolen Orte in Berlins Mitte, an denen Parties und Konzerte stattfinden können. Mit cool hergerichtetem In­te­ri­eur, die Barkeeper beispielsweise hinter Gittern, was ein wenig an die damaligen Kundenschalter bei Post, Bahn und Bank erinnert, als Kunden und Personal durch eine Glasscheibe voneinander getrennt waren und man über eine Sprechluke oder über ein Mikrofon miteinander umständlich kommunizieren musste. Manche Ticketschalter sind noch so. Aber ich schweife ab.

21:50 Uhr.

So langsam füllt sich der Laden. Ich werde nie verstehen, warum man offiziell ankündigt, die Veranstaltung begänne um 21 Uhr, zu der Zeit noch der Soundcheck läuft, man gegen 21:30 Uhr reinkommt, die Künstlerin per Newsletter 22 Uhr angegeben hatte, 22:51 Uhr man immer noch wartend in der Ecke sitzt und angefangen hat, diesen Text zu schreiben. Aber die Musik, die als Warm-Up läuft, ist gut! Zwischen Electropop und -rock. Zeit, ein zweites Getränk sich zu besorgen… Tja, Musik-Apps zur Titelidentifikation à la Shazam und Soundhound gehen ja gerade nicht, man kriegt also nicht raus, was gerade läuft. Zweites Getränk!

23:13 Uhr. Was macht man eigentlich, wenn man allein (nicht, dass man nicht versucht hätte, jemanden zu bewegen mitzukommen) auf den Beginn eines Konzertes wartet? Leute gucken. Diesen Text schreiben, Smartphone sei dank. Der Musik lauschen. Mitschwingen. Yeah. Swingt gerade. Bebop mit Hiphop? Oder so ähnlich.

23:21 Uhr.

Immer diese Nebelschwaden. 23:23 Uhr. Das Lied erinnert mich gerade an Ice Cube und Check Yo Self (die 1990er), ist es aber nicht.

23:28 Uhr. Jetzt ein Electrodubsteppop-Stück à la Example, gefolgt von einem leicht von Cumbia beeinflussten Bassmonster. Schön!

23:36 Uhr.

23:37 Uhr. Gleich scheint es loszugehen?

23:41 Uhr. Musik zum Runterkommen. Electrofolk.

23:44 Uhr.

23:45 Uhr. Das kenne ich. Kelis mit Bossy. “I’m bossy.” Bin ich das? Nö. Es wird dunkler, clubbiger, man tanzt mehr mit. Ich auch. Nun Dub/Reggae.

23:54 Uhr. So, jetzt würde ich mir Dub Be Good To Me der Beats International wünschen oder spielen… Gleiche Stimmung wie das derzeit gehörte.

00:12 Uhr. Drittes Getränk. Band scheint jetzt vollständig auf der Bühne zu stehen, tanzt mit.

00:17 Uhr. The Cure & Lullaby. Die späten 1980er. Der Song erinnert mich daran, wie damals in der Schulklasse alle plötzlich in Schwarz herumliefen.

00:21 Uhr. Jetzt geht’s los…… Fein!

00:54 Uhr.00:58 Uhr.00:58 Uhr.

00:59 Uhr. Letzter Song, “weil wir eine jungfräuliche Band sind”.

Zwei Zugaben. Ugly – der allerletzte Song. Der Produzent hatte sich bei “Wünsch dir was als Zugabe” durchgesetzt.

01:18 Uhr. Saturday Night von Whigfield ist nicht Euer Ernst, oder? Hartes Kontrastprogramm von den beiden DJanes danach. Nach einer Weile dem akustischen Geschehen weiter beobachtend, Zeit zu gehen.

02:41 Uhr. Diesen Text rekapituliert, dann geschlafen.

Nachtrag

Cover

Das Konzert von Zoe.Leela im White Trash Fast Food am 24.02.2012 war gut. Die Live-Interpretationen der Stücke waren erdiger und rockiger als auf dem Album. Der Earcatcher auf dem Album Digital Guilt, das, was früher wohl die Single-Auskopplung gewesen wäre, ist Come On. Das Video dazu einfach, aber sehr sympathisch. Erinnert an Sharah Nelsons Spaziergang in Massive Attacks Unfinished Sympathy. Und jetzt weiß man auch, wie lange es dauert, wenn man zu Fuß vom U-Bahnhof Warschauer Straße zur Revaler Straße läuft. 😉

Share

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>