Das Jahr 1993
Die Querelen um Jugendradio DT64 gehen weiter. Einigen stört einfach nur der Name. Die Lösung: Einfach nur sagen: Sputnik
. Der neue Name MDR Sputnik
wird auf Grund eines Vorschlages aus CDU-Kreisen gefunden. Passend zur Aufschaltung des Programms auf den ASTRA 1B-Satelliten im März, die die Einspeisung in die Kabelnetze ermöglicht. Im Mai wird der Sender umgetauft. Ab Juli ist die Mittelwellen-Odyssey nach genau einem Jahr vorbei. UKW-Frequenzen sind nicht in Sicht. Im November zieht der Sender aus dem bisherigen Standort im Berliner Funkhaus Nalepastraße, dem ehemaligen Sitz der Rundfunks der DDR, aus und nach Halle an der Saale, dem zukünftigen Sitz der Hörfunkzentrale des Mitteldeutschen Rundfunks, um.
Im Folgenden einige Presseberichte über das weitere Schicksal von Jugendradio DT64/MDR Sputnik im Jahr 1993.
LEIPZIG (dpa/JW). Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) gehört laut Intendant Udo Reiter nur ein Jahr nach seiner Gründung zu den erfolgreichsten ARD-Anstalten. Wie Reiter auf der Jahrespressekonferenz am Dienstag in Leipzig sagte, hatte der MDR das erfolgreichste Dritte Fernsehprogramm in der ARD, zwei der reichweitenstärksten Hörfunkprogramme in Deutschland und eine komplett ausgebuchte Werbung im Hörfunk. Nun stehe dringend die Verbesserung der technischen Infrastruktur auf der Tagesordnung.
Ungeachtet der Vorschläge der sächsischen Staatskanzlei will der MDR DT64 fortführen und plant die europaweite Ausstrahlung über Satellit. In diesem Jahr soll die Redaktion vom neuen Standort Halle via Satellit und Kabel senden.
DRESDEN. Die SPD im sächsischen Landtag fordert, für den Erhalt von Jugendradio DT64 den MDR-Staatsvertrag um ein fünftes Vollprogramm zu ergänzen. Auf einer gemeinsam mit dem Netzwerk der Jugendradio-Freunde veranstalteten Pressekonferenz sagte SPD- Fraktionschef Karl-Heinz Kunckel in Dresden, das von der Staatskanzlei favorisierte Frequenzsplitting zwischen MDR-life und DT64 hieße, "Buttermilch mit Sekt veredeln zu wollen". Jugendradio könnte für eine Übergangszeit weiter auf Mittelwelle und dann über Satellit ausgestrahlt werden. Die DT64-Freunde hatten in 18 Tagen 12873 Unterschriften für den Erhalt des Senders gesammelt.
DRESDEN (dpa/JW). Das MDR-Jugendradio DT64 soll als 24-Stunden-Programm doch eine Chance bekommen. Die sächsische Staatskanzlei hat in einem Brief an die Regierungen von Thüringen und Sachsen-Anhalt eine Änderung des MDR-Staatsvertrages vorgeschlagen, um über Satellit eine Nonstop-Ausstrahlung des Programms zu ermöglichen, erklärte der sächsische Staatskanzlei-Chef Günter Meyer am Wochenende in Dresden. Aus Magdeburg und Erfurt gab es noch keine Reaktionen. An diesem Montag will sich der MDR-Rundfunkrat auf einer Sitzung in Leipzig mit der neuen Situation befassen.
BERLIN (JW). Der am Wochenende bekanntgewordene Brief des sächsischen Staatskanzlei-Chefs Meyer an die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen, in dem eine Änderung des MDR-Staatsvertrages vorgeschlagen wurde, um die Ausstrahlung von DT64 als 24-Stunden-Satelliten-Programm zu ermöglichen, stammt bereits vom 30. Dezember 1992, wie die Pressestelle der Staatskanzlei informierte. Demzufolge markiert der Brief keinen aktuellen Kurswechsel in der sächsischen Regierung zugunsten von DT64. Entscheidungen wurden stattdessen von der MDR-Rundfunkratssitzung erwartet, die gestern bei Redaktionsschluß noch dauerte.
LEIPZIG (dpa/JW). Das MDR-Jugendradio DT64 soll künftig in Halle produziert werden. Das habe der Rundfunkrat auf einer Sitzung am Montag abend in Leipzig entschieden, sagte Sprecherin Susan Knoll der dpa am Dienstag. Die DT64-Macher sollen dazu aus Berlin ins MDR-Sendegebiet umziehen. Bislang war auch Leipzig als möglicher Standort im Gespräch gewesen.
Zunächst wird das Jugendradio - wie in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen - auf Mittelwelle ausgestrahlt. Im Sommer wolle man dann per Satellit ein 24-Stunden-Programm, allerdings unter einem neuen Namen, senden.
Die Zukunft des MDR-Jugendradios als 24-Stunden-Programm ist sicher. Der MDR-Rundfunkrat beschloß, das Programm künftig in Halle zu produzieren und ab 1. März über den Satelliten Astra europaweit auszustrahlen.
DT64 konnte im 1. Halbjahr 1992 mit 150 000 Hörern rund ein Drittel der Hörer des MDR binden, obwohl es nur in Sachsen auf akzeptabler Mittelwellen-Qualität zu hören ist.
Das neue Programm soll den Namen MDR-Sputnik
erhalten und als
gesamtdeutscher Jugendkanal das Konzept einer Rockmusikwelle mit breitem
Informationsangebot fortführen.
Anmerkung: Im 1. Halbjahr 1992 wurde DT64 noch über UKW ausgestrahlt.
Ende gut, alles gut? Die Freunde von Jugendradio DT64 können zumindest
guter Hoffnung sein, daß ihr
Radio alle vorausgesagten Sterbedaten
überlebt, nachdem sächsische Staatskanzlei und regierende CDU sich zu
einer Ergänzung des Rundfunkstaatsvertrages bereitgefunden haben.
Gelingt es Sachsen, das vertragsgemäß die Aufsicht über den MDR führt,
Thüringen und Sachsen-Anhalt zu überzeugen, steht einem Start von MDR-Sputnik
aus Halle nichts mehr im Wege. Biedenkopfs Engagement, der nach
den jüngsten Querelen wohl nicht seine eigenen früheren Worte Lügen
strafen wollte und deshalb nun die Zustimmung aus Magdeburg und Erfurt
notfalls einwerben
will, läßt daran kaum noch einen Zweifel.
Die MDR-Gewaltigen können sich in jedem Fall zufrieden zurücklehnen. Ihr Jugendradio-Einsatz hat ihnen im Frequenz-Monopoly den Vorstoß in neue Äther-Welten und einen zusätzlichen Sender beschert und somit die private Konkurrenz um den gerade in Sachsen mit annähernd fünf Millionen Einwohnern lukrativem Werbekuchen entscheidend geschwächt. Denn man darf annehmen, daß das Jugendradio, wie immer es auch dann heißen mag, mit Digitalsound und stärkerem Regionalbezug seine 160 000 Hörer starke Fangemeinde wieder vergrößern kann. Das freilich würde den Privaten, die ohnehin gegen MDR-life bisher kaum ein Bein auf die Erde kriegen, weiter das Wasser abgraben. Vorausgesetzt, die geplanten Veränderungen beim Jugendradio verwässern dessen eigenständiges Profil nicht bis zur Unkenntlichkeit. Der vom sächsischen Landesvater favorisierte, an Originalität kaum zu überbietende Sputnik-Name läßt da nicht unbedingt Gutes ahnen.
Nichtsdestotrotz ist sich Biedenkopf sicher, daß sich für eine Initiative zur Ergänzung des MDR-Staatsvertrages im Sächsischen Landtag eine Mehrheit fände. Angesichts der Ankündigung von CDU-Fraktionschef Goliasch, einen entsprechenden Antrag einzubringen, wird die absolute Unionsmehrheit im Landtag schon dafür sorgen. Für das Netzwerk der DT 64-Initiativen ist es ein später Erfolg seiner Mühen. Und für den Rest der Ostdeutschen die Erkenntnis, daß mit Beharrlichkeit, Einfallsreichtum und klugem politischen Management die häufig westdeutsche Borniertheit überlistet werden kann.
Jana Weber
Am Anfang war die Einstimmung auf den neuen Namen: Dutzende Jingles mit
Rock the nation
, Power from the eastside
und - Sputnik
. Sputnik
soll das Programm heißen, wenn aus dem All gesendet wird. Der
Slogan: Die Power geht weiter..., sag einfach Sputnik
.
Die Hörfunkchefin des MDR, jene Anstalt, die als organisatorischer
Papi letztendlich für DT64/Sputnik verantwortlich zeichnet,
erklärte die Namensänderung mit dem Druck von verschiedenen
Seiten. So seien die Staatskanzleien gegen den alten Namen, aber auch
private Anstalten und der Rundfunkrat forderten einen neuen. Unliebsame
Erinnerungen an die Vorzeit seien der Grund. Die Privaten jedenfalls
haben Angst vor der Magnetwirkung des Kultsenders. Karola Sommerey
bemerkt zu letzterem allerdings: Das Publikum, was wir hier haben, ist
für die Privaten unerreichbar!
Damit auch künftig wenige Hörer zu den Privaten abwandern
,
plant man in der DT64/MDR-Chefetage, Satellitenreceiver zu
Tiefstpreisen an Stammhörer zu veräßern. Wie dies
konkret passieren soll, konnte jedoch weder von Frau Sommerey noch von
Michael Schiewack, dem DT-Wellenchef, benannt werden. Statt dessen
schwenkte man zum Thema Standortwechsel über.
Der Umzug von der Berliner Nalepastraße in die Hallenser
Waisenhausstraße, dem künftigen Sitz des MDR-
Hörfunkcenters, soll bis zum Juli abgeschlossen sein. Dort erwartet
die Jugendradio-Crew nicht nur ein frischrenoviertes Haus, sondern auch
eine komplett neuartige Studioeinrichtung.Dazu gehören
Selbstfahrtechnik und digitale Sendestation. Frau Sommerey schwärmt
hier von völlig neuen radiophonen Klangfarben
. Die sollen aber am
Programmstil nichts ändern.
Wenigstens letzteres bleibt jedoch fraglich. Wenn dann nämlich
europaweit Hörer begeistert werden sollen, wird man bestimmt auch
auf spezielle Interessen von Belgiern, Franzosen, Finnen und Russen
(Sputnik ist per Satellit von Madrid bis Moskau in CD-Qualität zu
empfangen) eingehen. Inwieweit dann die Power from the eastside
noch
echte Kraft besitzt, oder inwieweit sie zur Energy
wird, bleibt
abzuwarten.
Nils Kaiser
Das neue Jugendradioprogramm FRITZ für die Region Berlin-Brandenburg soll am 1. März auf Sendung gehen. Kurz nach 7.00 Uhr werden Brandenburgs Ministerpräsident Stolpe und Berlins Jugendsenator Krüger das Jugendprogramm am Brandenburger Tor in Potsdam taufen.
Wie am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Potsdam mitgeteilt wurde, will Fritz in der ersten Woche täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr jeweils aus einer anderen Stadt live senden.
Laut Fritz-Chef Lehnert sind etwa zwei Drittel der festangestellten Mitarbeiter aus dem Osten, ein Drittel von Radio 4 U.
Sputniksendet über Satellit Astra
Von Jörg Heikhaus. DT64 ist wieder aufgetaucht. Der Jugendsender (ab Mai heißt er Sputnik), lange Zeit auf Mittelwelle (1044 Kilohertz) verbannt und bereits mehrfach totgesagt, strahlt seit gestern sein Programm auch über Satellit aus.
"Viele Radiosender sterben, aber nur wenige kommen in den Himmel", schrieben Fans des Senders auf ein Plakat. Die Abstrahlung über Astra 1 B soll DT64/Sputnik langfristig das Überleben sichern. Im laufenden Programm werden seit gestern immer wieder Tips gegeben, wie DT über die TV-Schüssel ins Haus geholt werden kann. Parallel zum Schüssel-Empfang bleibt DT64 aber auch noch auf der Mittelwellen- Frequenz. Und: Wer frühmorgens seinen Fernseher einschaltet, kann sich vom mdr mit dem DT-Morgenprogramm berieseln lassen. DT64 läft im dritten Programm als Untermalung des Testbildes.
Die Beliebtheit des Jugendsenders ist trotz aller Ab- und
Wegschaltversuche ungebrochen: 200 000 Hörer hatten wir sogar noch
auf der Mittelwelle
, so DT-Chef vom Dienst Markus Augustiniak zum
EXPRESS. Und Michael Schiewack ergänzt: Wir haben aktive
Hörer, die auch bereit sind, etwas für ihren Radio-Empfang zu
tun.
Zum Beispiel ihre Schüssel auszurichten.
Das neue gemeinsame Jugendprogramm von SFB und ORB ist seit Montag morgen auf Sendung.
In der ersten Woche wird FRITZ täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr jeweils
aus einer anderen Brandenburger Stadt live senden. Nach eigenen Bekunden
will der neue Sender alles anders machen als die Konkurrenz
.
Zielgruppe sind junge Leute zwischen 15 und 25 Jahren. In mindestens
drei Sendungen täglich sollen Jugendliche im Programm unmittelbar zu
Wort kommen. Zu den Haupthörziten gibt es alle 25 Minuten Nachrichten.
Geplant ist die Übertragung eines Konzerts der Gruppe U2 im Juni.
Am 1. März begnn die Testaustrahlung über den Satelliten Astra 1B. Das bedeutet wieder Stereoqualität. ...
dpa Erfurt. Der Bundesvorstand der Jungen Union (JU) hat die sächsische Landesregierung und den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) aufgefordert, alle Pläne zur weiteren Ausstrahlung des früheren DDR- Jugendsenders DT64 zu stoppen.
Die Pläne des MDR, DT64 unter den Namen Sputnik
zu
übernehmen und sogar europaweit über Satellit zu verbreiten,
seien nicht hinnehmbar, heißt es in einer in Erfurt verbreiteten
Erklärung des JU-Bundesvorstandes sowie der Landesvorstände
von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Nach Ansicht der CDU-Nachwuchsorganisation wäre es für die
Bürger in den neuen Bundesländernvöllig
unverständlich, wenn der MDR jährlich rund 15 Millionen MArk
für ein Jugendprogramm ausgäbe, das sich hauptsächlich
an jugendliche Randgruppen und Sektierer
wende. Außerdem sei das
DT64/Sputnik
staatsvertragswirdrig und ohne die Zustimmung der
Länderregierungen und Parlament geschaffen worden.
Die Junge Union forderte den MDR auf, in Abstimmung mit den
Landesregierungen ein Konzept für ein Jugendradio zu entwickeln,
das anstelle von Randgruppen die breite bürgerliche jugendliche
Öffentlichkeit anspricht
. Der nach JU-Angaben ehemals regimetreue
Jugendsender DT64 dürfe unter keinen Umständen, auch nicht
unter einem anderen Namen, weitergeführt werden, sagte der
Thüringer Landesgeschäftsführer Michael Panse.
dpa/JW.Der Jugendfunk Sputnik
ist seit Samstag
null Uhr auf Sender. In einer achtstündigen Livesendung wurde der
neue Start des im Osten Deutschlands populären DT64 zeitgleich in
Rostock, Halle, Weimar, Nürnberg und Dresden gefeiert, teilte der für
Halle verantwortliche Redakteur Harald Müller mit. Damit sei es
gelungen, den Sender mit seinen 39 festangestellten Mitarbeitern zu
erhalten. Laut Müller rechnet der Sender in Thüringen, Sachsen und
Sachsen-Anhalt mit 200 000 Hörern.
Sputnik
sendet europaweit über den Satelliten Astra 1B. Das Programm
kann nur mit einem speziellen Decoder empfangen werden. Die bisherige
Ausstrahlung auf Mittelwelle wird Müller zufolge am 30. Juni
eingestellt.
Anmerkung: Der spezielle Decoder??? Wenn sie den Satellitenreceiver damit meinten - okay, aber einen Decoder wie zum Empfang von PREMIERE brauchte man auch damals nicht, es sei denn, man wollte das Premiere-Bild zum Sputnik-Ton genießen. :-)
Die Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt als Spielverderber: Sie untersagte dem beliebten Radioprogramm MDR-Sputnik die Ausstrahlung im DSR- Paket.Schade, auf den digitalen Hörgenuß aus Mitteldeutschland haben sich viele gefreut.
Gerade angekommen in Halle ist die DT64-Mannschaft, um als Sputniks
Jugendradio zu machen. Mit Häppchen und Kaffee empfingen mdr-
Hörfunkchefin Carola Sommerey, Sputnik-Wellenchef Michael Schiewack und
sein Vize Ulrich Clauß die Journaille. Kurz bevor es ernst wurde,
steckte Michael Schiewack seiner Chefin noch ein Sputnik-Abzeichen an.
Techniker Klaus Hellmich bemühte sich, die High-Tech zu erläutern. Heute
wird's wahrscheinlich lockerer. Denn Sputnik meets Turm
.
"Power from the Eastside" ging gestern durch ganz Europa. Bei DT64, jetzt mdr-Sputnik genannt, war Europäischer Radiotag. Auf die Idee war Redakteur Johannes Paetzold gekommen. Um die Aktion über Äther - oder besser Satellit - zu kriegen, bereiste er in acht Tagen acht Länder. "Geschlafen haben ich während der Zugfahrten." Mit 10 Redakteuren, unter anderem auch dem legendären John Peel von BBC London, gestalteten die "SpuDTniks" ihr Programm bis in die Morgenstunden.